Wieland: Amerikanische Gotik um Stimmenhören, religiösen Wahn und eine Familientragödie in der frühen Republik
Synopsis
Charles Brockden Browns Wieland; or, The Transformation (1798) gilt als erster bedeutender gotischer Roman der Vereinigten Staaten und verbindet psychologischen Schauer mit aufklärerischer Erkenntniskritik. Im Mittelpunkt stehen Clara Wieland, ihre religiös exaltierte Familie und eine Folge rätselhafter Stimmen, Täuschungen und Verbrechen, die häusliche Ordnung in metaphysische Unsicherheit verwandeln. Browns Stil ist zugleich empfindsam, rational argumentierend und unheimlich suggestiv; er verlegt die europäische Schauertradition in die junge amerikanische Republik und macht aus dem Spuk eine Studie über Wahrnehmung, Fanatismus und die gefährliche Autorität innerer Gewissheiten. Brown, 1771 in Philadelphia geboren, war tief geprägt von Quäkererziehung, politischer Revolutionserfahrung und den intellektuellen Debatten der frühen Republik. Seine Beschäftigung mit Medizin, Philosophie, Religionspsychologie und zeitgenössischen Kriminalfällen, insbesondere Berichten über religiös motivierte Familientötungen, bildet den geistigen Hintergrund des Romans. Als professioneller Schriftsteller suchte er eine genuin amerikanische Literaturform, die gesellschaftliche Experimente und seelische Abgründe gleichermaßen sichtbar macht. Wieland empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die gotische Spannung nicht als bloßen Effekt, sondern als Instrument kultureller Analyse schätzen. Der Roman bleibt verstörend aktuell, weil er zeigt, wie Stimmen, Überzeugungen und Ideologien Wirklichkeit erzeugen und zerstören können.
Publisher information
- Publisher: Copycat
- ISBN: 9788028390822
- Dimensions: 229 x 152 x 8 mm
- Weight: 206g
- Languages: German
