Uxor Dolorosa: Zur Entwicklung Des Bildmotivs 'Trauernde Frau Mit Urne
Synopsis
Fur den Autor, einen emeritierten Munchener Ordinarius fur Lateinische Philologie, hat die Geschichte des Bildmotivs einer "trauernden Frau mit Urne" einen literarischen Ausgangspunkt: eine von Tacitus anschaulich geschilderte Szene, wie 20 n. Chr. Agrippina maior mit der Aschenurne ihres in Syrien unter ungeklarten Umstanden verstorbenen Gatten und Kronprinzen Germanicus in Brundisium an der Adria landet. Die Vor- und Folgegeschichte dieses spektakularen Ereignisses, vor allem das gespannte Verhaltnis Agrippinas zum Kaiser Tiberius, wird historisch und mentalitatsgeschichtlich untersucht und kulturhistorisch mit anderen Bestattungen von Angehorigen der romischen Elite verglichen. Von der literarischen Erzahlung des Tacitus geht die bildliche Rezeption in klassizistischen Historienbildern des 17. bis 19. Jh.s bei Malern wie Benjamin West, Gavin Hamilton und Angelika Kauffmann (sowie in weiteren Beispielen, darunter auch Skulpturen) aus. Eine Sonderrolle spielt die eigenwillige Agrippina-Performance der im 18. Jh. beruhmten Lady Emma Hamilton. Das Urnen-Motiv bleibt mit der Antike verbunden und spiegelt nicht etwa einen realen zeitgenossischen Brauch. Denn im christlichen Abendland galt bis zur Mitte des 20. Jh.s das Tabu einer Kremation. Wenn die Konfiguration "Trauernde Frau mit Urne" seit dem Ausgang des 18. Jh.s. doch in die allgemeine Grabmalskulptur ubernommen wurde, konnte das nur durch Enthistorisierung und Allegorisierung geschehen. Die Ubergangsphase um 1800 und die weitere Entwicklung wird vor allem an konkreten Beispielen auf dem Alten Sudfriedhof in Munchen erortert, die den Einfluss des Hofbildhauers Roman Anton Boos zeigen. Eine parallele Entwicklung zur Sepulkralfigur lasst sich auch fur die antike Artemisia-Figur beobachten.
Publisher information
- Publisher: J.H. Roll Verlag
- ISBN: 9783897546158
- Number of pages: 416
- Weight: 1293g
- Languages: German
