Nanna: Über Pflanzenseele, Panpsychismus und das verborgene Bewusstsein der Natur im 19. Jahrhundert
Synopsis
Nanna, 1848 erschienen und programmatisch als Untersuchung Über das Seelenleben der Pflanzen angelegt, verbindet naturkundliche Beobachtung, spekulative Metaphysik und poetische Argumentation. Fechner fragt, ob Pflanzen nicht nur organische Reizbarkeit, sondern ein eigenes inneres Leben besitzen, und entfaltet diese These durch Analogien zwischen pflanzlicher Gestalt, Sinnlichkeit, Zweckmäßigkeit und menschlicher Erfahrung. Der Stil ist gelehrt, anschaulich und zugleich polemisch gegen einen verengten Materialismus; literarisch steht das Buch zwischen romantischer Naturphilosophie, populärwissenschaftlichem Essay und frühmoderner Psychologie. Gustav Theodor Fechner, Physiker, Philosoph und später Begründer der Psychophysik, schrieb aus einer intellektuellen Grenzlage heraus. Seine Leipziger naturwissenschaftliche Schulung, seine Krise nach schweren Augenleiden und sein lebenslanges Interesse am Verhältnis von Körper und Seele führten ihn zu einer Kosmologie, in der Bewusstsein graduell durch die Natur reicht. Nanna ist deshalb kein bloßes Kuriosum, sondern ein Schlüsseltext seines panpsychistischen Denkens. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die die Geschichte ökologischer Sensibilität, der Pflanzenphilosophie und der Wissenschaftsprosa verstehen wollen. Fechners Argumente fordern heutige Gewissheiten heraus und eröffnen, trotz historischer Distanz, eine erstaunlich aktuelle Frage: Wie anders müssten wir Natur betrachten, wenn Innerlichkeit nicht ausschließlich menschlich wäre?
Publisher information
- Publisher: Sharp Ink
- ISBN: 9788028347833
- Dimensions: 10 x 152 x 229 mm
- Weight: 251g
- Languages: German
