Einschneidende Erzählungen: Wunde, Abenteuer und Romanpoetik bei Ariosto und Cervantes
Synopsis
Erzählungen haben die Form einer Wunde. Sie öffnen und schließen sich, sie erzeugen einen Zustand des Schmerzes und der Unruhe, der im Verlauf der Handlung bearbeitet und aufgelöst wird. Aber auch der narrative Zusammenhang selbst kann durch Wunden verletzt und beschädigt werden. Diese Überlegungen stehen im Zentrum der Erzähltheorie der Verwundung, die Manuel Mühlbacher anhand von Ludovico Ariostos Orlando furioso und Miguel de Cervantes' Don Quijote entwickelt. Während die Wunde bei Ariosto narrative Kohärenz stiftet, fungiert sie bei Cervantes als metanarrative Figur des Kohärenzverlusts. Historisch gehen beide Erzählprojekte von der ritterlichen ' Abenteuerwunde' aus, die in der vormodernen Narrativik den Angelpunkt eines Chronotopos der Spurlosigkeit bildet. Folgt man der Transformation des Abenteuers zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit, so lassen sich nicht nur die narrativen Potentiale der Wunde, sondern auch deren poetologische und kulturelle Implikationen nachvollziehen.
Publisher information
- Publisher: Brill Fink
- ISBN: 9783770570966
- Dimensions: 235 x 155 mm
- Languages: German
