Eine blassblaue Frauenschrift: Wien 1936: Gewissenskonflikt, verdrängte Schuld und Antisemitismus in einer österreichischen Novelle
Synopsis
Franz Werfels Novelle "Eine blassblaue Frauenschrift" entfaltet an einem einzigen Tag des Jahres 1936 das seelische Drama des Wiener Ministerialbeamten Leonidas Tachezy. Ein Brief in zarter, blassblauer Schrift von seiner einstigen Geliebten Vera fordert Hilfe für einen jüdischen Jungen, der möglicherweise sein Sohn ist. In konziser, psychologisch präziser Prosa verbindet Werfel Gesellschaftsporträt, Gewissensstudie und zeitgeschichtliche Warnung; die elegante Oberfläche der österreichischen Amts- und Salonkultur wird zur Maske moralischer Verdrängung. Werfel, 1890 in Prag geboren, gehörte zur deutschsprachigen jüdischen Literatur der untergehenden Habsburgermonarchie und schrieb aus der Erfahrung von Exil, politischer Bedrohung und religiös-humanistischer Suche. Seine Sensibilität für Schuld, Mitgefühl und historische Katastrophe prägt diese Novelle entscheidend. Die Figur des Leonidas spiegelt jene gebildete, angepasste Elite, deren Bequemlichkeit und Karrierewille angesichts des Antisemitismus versagen. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die knappe Formen mit großer ethischer Spannweite schätzen. Werfel zeigt, wie Weltgeschichte in eine private Entscheidung einbricht und wie ein scheinbar kleiner Akt der Feigheit existenzielle Bedeutung gewinnt. "Eine blassblaue Frauenschrift" ist ein stilles, scharfes Meisterstück über Erinnerung, Verantwortung und die Kosten des Wegsehens.
Publisher information
- Publisher: Sharp Ink
- ISBN: 9788028350130
- Dimensions: 4 x 152 x 229 mm
- Weight: 103g
- Languages: German
