Die Verstümmelten: Ein psychologischer Roman der Prager Moderne über Angst, Schuld, Begehren und soziale Entfremdung
Synopsis
Die Verstümmelten entfaltet eine beklemmende Studie beschädigter Existenzen, in deren Zentrum der von Angst, Schuld und unterdrücktem Begehren beherrschte Bankangestellte Franz Polzer steht. Ungar verbindet psychologische Genauigkeit mit grotesker Zuspitzung: Körperliche Versehrtheit, soziale Enge und moralische Deformation spiegeln einander in einer Prosa, die kühl registriert und zugleich fiebrig verdichtet. Im Kontext der deutschsprachigen Prager Moderne steht der Roman neben Kafka und Werfel, doch seine Radikalität liegt in der schonungslosen Darstellung von Abhängigkeit, Macht und Selbstentfremdung. Hermann Ungar, 1893 in Mähren geboren und 1929 früh verstorben, gehörte zur jüdisch-deutschsprachigen Literatur Mitteleuropas. Juristische Ausbildung, Kriegserfahrung und Tätigkeit im diplomatischen Dienst schärften seinen Blick für Institutionen, Hierarchien und die verborgene Gewalt bürgerlicher Ordnung. Die Atmosphäre provinzieller Enge, religiöser und sozialer Minderheitenlage sowie zeitgenössische Debatten über Psychoanalyse und Sexualität dürften seine literarische Imagination entscheidend geprägt haben. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die moderne Literatur nicht als Trost, sondern als Erkenntnisinstrument verstehen. Die Verstümmelten ist ein herausfordernder, präzise komponierter Roman über Verletzbarkeit und Herrschaft, dessen verstörende Bilder lange nachwirken.
Publisher information
- Publisher: e-artnow
- ISBN: 9788027352593
- Dimensions: 229 x 152 x 5 mm
- Weight: 148g
- Languages: German
