Die Verstümmelten: Psychologischer Roman der Prager Moderne über Angst, Entfremdung und die Gewalt verborgener Triebe
Synopsis
Die Verstümmelten, 1923 erschienen, ist ein düsterer Roman über körperliche und seelische Versehrung in der modernen Großstadt. Im Mittelpunkt steht der scheue Bankbeamte Franz Polzer, dessen Angst vor Nähe, Sexualität und sozialer Entblößung ihn in ein Netz aus Abhängigkeit, Ekel und Gewalt führt. Ungars Prosa verbindet expressionistische Verdichtung mit präziser psychologischer Beobachtung; sie steht im Kontext der deutschsprachigen Prager Moderne und ihrer Literatur des Entfremdeten. Hermann Ungar, 1893 in Boskovice geboren und 1929 früh verstorben, war jüdischer Herkunft, Jurist, Kriegsteilnehmer und Diplomat. Seine Erfahrungen mit militärischer Disziplin, bürokratischer Enge und gesellschaftlicher Randständigkeit schärften offenbar seinen Blick für Menschen, die an Schuldgefühlen, Trieben und Machtverhältnissen zerbrechen. Wie bei Kafka oder Musil wird das Individuum nicht heroisiert, sondern als bedrohte, oft beschämte Existenz sichtbar gemacht. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die keine tröstende Handlung, sondern eine radikale Erkundung menschlicher Verletzbarkeit suchen. Die Verstümmelten ist verstörend, analytisch und von seltener sprachlicher Konsequenz; gerade deshalb bleibt der Roman ein bedeutendes Dokument der literarischen Moderne und ein eindringlicher Kommentar zur Gewalt verborgener Ängste.
Publisher information
- Publisher: Musaicum Books
- ISBN: 9788027264438
- Dimensions: 220 x 160 x 4 mm
- Weight: 138g
- Languages: German
