Die freudlose Gasse: Nachkriegswien in der Inflationszeit: Armut, Hunger und moralische Abgründe der Ersten Republik
Synopsis
Die freudlose Gasse entwirft ein schonungsloses Panorama des inflationsgeschüttelten Wien nach dem Ersten Weltkrieg: Hunger, Wohnungsnot und moralische Erpressung treiben Bürgerliche wie Proletarier in dieselben Abgründe. Bettauer verbindet melodramatische Spannung mit reportagehafter Genauigkeit; seine Szenen aus Fleischerei, Amtsstube und Halbwelt stehen im Kontext der Neuen Sachlichkeit und der urbanen Sozialkritik. Hinter der zugänglichen Unterhaltung liegt eine präzise Analyse ökonomischer Gewalt, besonders an Frauenkörpern und weiblicher Reputation. Hugo Bettauer, 1872 in Baden bei Wien geboren, war ein österreichisch-jüdischer Journalist, Feuilletonist und Erfolgsautor, der zwischen Wien, Berlin und New York Erfahrungen moderner Großstadtgesellschaft sammelte. Seine publizistischen Kampagnen für Sexualaufklärung, Scheidungsrecht und soziale Liberalität machten ihn berühmt und verhasst. Diese biographische Nähe zu Presse, Skandal und Reform prägt die erzählerische Energie des Romans. Die freudlose Gasse empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Literatur als historisches Seismogramm begreifen. Der Roman bietet keine distanzierte Elegie, sondern eine wache, bisweilen grelle Diagnose sozialer Verhältnisse, deren Aktualität in Fragen von Armut, Geschlecht und öffentlicher Moral fortbesteht. Wer das Wien der Zwischenkriegszeit verstehen will, findet hier ein eindringliches, unbequemes Schlüsselwerk.
Publisher information
- Publisher: e-artnow
- ISBN: 9788027348084
- Dimensions: 229 x 152 x 5 mm
- Weight: 153g
- Languages: German
