Der Immoralist: Eine Beichte über Krankheit, Begehren und Moralbruch im kolonialen Nordafrika
Synopsis
In Der Immoralist entfaltet André Gide die Beichte Michel, eines jungen Gelehrten, der nach schwerer Krankheit in Nordafrika eine radikale Wiedergeburt seines Körpers und Begehrens erfährt. Die klare, kontrollierte Prosa kontrastiert mit der moralischen Beunruhigung des Stoffes: Ehe, Bildung, Besitz und gesellschaftliche Pflicht geraten unter den Druck einer neu entdeckten Vitalität. Als Schlüsseltext der französischen Moderne verbindet der Roman psychologische Analyse, symbolistische Verdichtung und eine frühe Kritik bürgerlicher Normen. Gide, 1869 in Paris geboren, schrieb aus der Spannung zwischen protestantischer Strenge, ästhetischer Sensibilität und persönlicher Selbstbefragung heraus. Reisen nach Algerien und Tunesien, seine Auseinandersetzung mit Krankheit, Sexualität und religiöser Erziehung prägten die Gestalt Michels erkennbar, ohne sie bloß autobiographisch zu machen. Der spätere Nobelpreisträger untersucht hier nicht die einfache Befreiung des Individuums, sondern deren gefährliche Kosten. Empfohlen sei Der Immoralist allen Lesern, die Literatur als präzises Instrument ethischer Erkenntnis schätzen. Das Buch bietet keine beruhigende Lehre, sondern zwingt zur Prüfung der Frage, wann Selbstverwirklichung in Verantwortungslosigkeit umschlägt. Gerade seine Nüchternheit macht diesen kurzen Roman bis heute verstörend aktuell.
Publisher information
- Publisher: Sharp Ink
- ISBN: 9788028375904
- Dimensions: 229 x 152 x 4 mm
- Weight: 136g
- Languages: German
