Der Heilige: Machtkampf, Gewissen und Märtyrertod im mittelalterlichen England um Thomas Becket und Heinrich II.
Synopsis
Conrad Ferdinand Meyers Novelle "Der Heilige" gestaltet den Konflikt zwischen weltlicher Macht und geistlicher Autorität am Beispiel Thomas Beckets, des Kanzlers und späteren Erzbischofs von Canterbury, der unter Heinrich II. zum Märtyrer wird. In kunstvoll verdichteter historischer Prosa verbindet Meyer psychologische Analyse, politische Intrige und religiöse Symbolik. Der nüchterne, zugleich bildkräftige Stil rückt weniger Heiligkeit als Legende denn die Ambivalenz menschlicher Motive in den Mittelpunkt. Meyer, 1825 in Zürich geboren, gehört zu den bedeutenden Vertretern des poetischen Realismus. Seine intensive Beschäftigung mit Geschichte, Renaissance und Reformation, aber auch seine protestantisch geprägte Skepsis gegenüber institutioneller Macht, erklären die Wahl eines Stoffes, in dem Gewissen, Herrschaft und persönliche Schuld ineinandergreifen. Eigene Erfahrungen innerer Krisen mögen seinen Blick für gebrochene Charaktere geschärft haben. "Der Heilige" empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Literatur nicht als bloße Rekonstruktion, sondern als Denkraum über Macht, Loyalität und Moral verstehen. Die Novelle bietet eine präzise komponierte, intellektuell anspruchsvolle Lektüre, deren Spannung aus der Frage erwächst, wie ein Mensch zur historischen Figur und zum Zeichen wird.
Publisher information
- Publisher: Sharp Ink
- ISBN: 9788028349899
- Dimensions: 5 x 152 x 229 mm
- Weight: 131g
- Languages: German
