
Berlins drittes Geschlecht: Queere Lebenswelten, Sexualwissenschaft und Großstadtmilieu im Kaiserreich
Synopsis
Magnus Hirschfelds "Berlins drittes Geschlecht" ist eine frühe sozialwissenschaftliche Erkundung jener homosexuellen und geschlechtsnonkonformen Lebenswelten, die um 1900 im urbanen Raum Berlins sichtbar wurden. In reportagehafter, zugleich medizinisch-aufklärerischer Prosa beschreibt Hirschfeld Treffpunkte, Sprachformen, Liebesverhältnisse, Gefährdungen und Strategien einer marginalisierten Minderheit. Als Beitrag zur Reihe der Großstadt-Dokumente verbindet das Buch Milieustudie, Sexualwissenschaft und Reformschrift; sein literarischer Reiz liegt in der genauen Beobachtung und im Bemühen, Sensation durch Verständnis zu ersetzen. Hirschfeld, Arzt, Sexualwissenschaftler und Mitbegründer des Wissenschaftlich-humanitären Komitees, schrieb aus unmittelbarer Nähe zu den Menschen, deren Rechte er verteidigte. Seine Forschungen zur sexuellen Zwischenstufentheorie, sein Kampf gegen den Paragraphen 175 und seine Berliner Praxis prägten die Perspektive des Buches. Es entstand aus dem Wunsch, Vorurteile zu korrigieren, staatliche Verfolgung zu kritisieren und individuelle Lebensformen wissenschaftlich wie humanitär ernst zu nehmen. Dieses Werk empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die die Geschichte moderner Sexualwissenschaft, queerer Urbanität und sozialer Emanzipationsbewegungen verstehen möchten. Trotz zeitgebundener Begriffe bleibt es ein grundlegendes Dokument mutiger Aufklärung und ein Schlüsseltext zur Kulturgeschichte Berlins.
Publisher information
- Publisher: e-artnow
- ISBN: 9788027359219
- Dimensions: 229 x 152 x 2 mm
- Weight: 81g
- Languages: German