
Auf Russischen Spuren. Orthodoxe Antiwestler in Serbien, 1850-1945
Synopsis
Antiwestliche Haltungen haben in der serbischen nationalen Mobilisierung der 1990er Jahre eine bedeutende Rolle gespielt. Kleriker und orthodoxe Intellektuelle griffen auf Konzepte aus der Zeit vor 1945 zuruck und behaupteten, dass die Serben seit dem Mittelalter ein uberlegenes spirituelles Wertesystem ausgebildet hatten, das sich zwangslaufig im Konflikt mit dem Westen befinde. Klaus Buchenau zeigt in seiner grundlegenden Untersuchung, dass die Fundamentalkritik am Westen zwar alte Wurzeln hat, aber keineswegs zwingend aus der serbisch-orthodoxen Tradition hervorgeht. Stark geworden ist das Antiwestlertum vor allem durch Modernisierungsprozesse seit dem 19. Jahrhundert. Im orthodoxen Milieu waren explizite Gegner des westlichen Entwicklungspfades zunachst eher selten. Erst die Angst, in einer modernen Gesellschaft an den Rand gedrangt zu werden, und die teilweise katastrophalen Folgen des uberhasteten und oberflachlichen Institutionenimports aus Westeuropa fuhrten zur Besinnung auf die antiwestlichen Elemente der orthodoxen Tradition. Entscheidende Schutzenhilfe kam aus der russischen Orthodoxie, die ahnliche Erfahrungen bereits vorher gemacht hatte und den serbischen Antiwestlern ihre historisch-theologischen Argumente zur Verfugung stellte. Methodisch geht diese Studie uber Ideengeschichte und Diskursanalyse weit hinaus. Sie dringt in die Sozial- und Alltagsgeschichte ein, in biografische Muster, Bildungswege und personliche Netzwerke der serbisch-orthodoxen Antiwestler.
Publisher information
- Publisher: Harrassowitz
- ISBN: 9783447062763
- Number of pages: 519
- Dimensions: 250 x 181 x 33 mm
- Weight: 1106g
- Languages: German